Test Canon CanoScan LiDE 600F

Nachdem im Internet kein Test des Canon CanoScan LiDE 600F zu finden war, der alle meine Fragen beantwortet hätte, habe ich das Gerät gekauft ;-) und selbst getestet. Auf die bereits in den technischen Informationen beschriebenen Features gehe ich hier nicht mehr ein.

Installation
Die Installation der Software und des Scanners ist problemlos. Lediglich das Einlegen der Filmstreifen (35mm KB-Film, anderes ist nicht möglich) gestaltet sich etwas kniffelig, wenn man Fingerabdrücke auf den Glasplatten und dem Film vermeiden will. Obwohl der Betrieb nur auf PCs garantiert wird, die über einen eingebauten USB-2.0-Hi-Speed-Port verfügen, läuft es bei mir unter USB 1.1, allerdings nicht über den Hub.

Farbtreue
Im Erweiterten Modus kann man den Scanner sowohl für Durch- als auch für Auflicht kalibrieren. Bemerkenswert ist, dass die Wiedergabe der RGB-Werte einer Farbe von Scan zu Scan nur um < 2%  differiert. Dies ist um ein Mehrfaches besser, als bei meinem alten Mustec-Billigscanner, der zusätzlich noch eine Aufwärmzeit braucht. Die Kalibrierung meines Druckers mit diesem LiDE-Scanner und mit Hilfe des Programms ProfilerPLUS gelang auf Anhieb!

Einstellmöglichkeiten für die Scans
Im erweiterten Modus kann man  entscheiden, ob man die Tonwerte automatisch oder manuell durch Klicken mit der Pipette auf einen Schwarz- (0) und einen Weißpunkt (255) festlegen will. Falls man jedoch auch die Graubalance mit der Pipette festzulegen versucht, ist man schlecht beraten: Anscheinend werden dabei die RGB-Kurven nur parallel verschoben, jedenfalls sind die Ergebnisse unbefriedigend. Was passiert, kann man allerdings im Dialogfeld Ausgabeeinstellungen mit der Pipette ansehen. Die RGB-Gradationskurven bearbeitet man deshalb besser später in einem Bildbearbeitungsprogramm.

Dichte

Welchen Dichteumfang der Scanner bei Dias beherrscht, konnte ich nirgends finden. Allerdigns sollte man bei einer Farbtiefe von 16bit/Farbe Einiges erwarten können. Ohne Tonwertanpassungund im Auflichtmodus wird eine Schwarzkarte, die 2,8% des Lichts reflektiert, mit ca. 40/255 und eine Weißkarte, die 88% des Lichts reflektiert, mit 178/255 eingescannt.

Jedenfalls wird die Grauskala des Kalibrierungsdias Q-60E3 von Kodak (IT8.7/1) in allen Stufen differenziert wiedergegeben - im Gegensatz zu meinem alten Diascanner MICROTEC ScanMaker 35tplus, bei dem die ersten bzw. letzten Stufen der 22-stufigen Grauskala nicht mehr unterscheidbar waren, so dass es zweier Durchgänge mit unterschiedlicher Belichtung und anschließender Kombination beider Bilder bedufte.

Ausgabeauflösung und Schärfe

Eine DIN A4 Seite mit 2400 dpi in Farbe gescannt ergibt eine Datei von ca. 1,5 GByte. Die zu erwartende Dateigröße wird - ggf. nach dem Beschnitt - im erweiterten Modus angezeigt. Je höher die Auflösung, desto höher sollte auch die Bildschärfe sein. Wo liegen hier die Grenzen des Canon CanoScan LiDE 600F? Immerhin kann man ja interpoliert bis zu einer Auflösung von 19200 dpi scannen, die Dateigröße bei DIN A4 erreicht dabei beachtliche 102 GByte.

Die Tiefenschärfe ist wahrhaft miserabel. Bereits die geringe Welligkeit einer einzuscannenden Geldnote ergibt Unschärfen (übrigens: Beim Scannen von Geldnoten gibt's eine Fehlermeldung).

mangelhafte Tiefenschaerfe
Beispiel mangelhafte Tiefenschärfe.


Ob eine Auflösung >1200 dpi bei (Papier-)Vorlagem und >2400 dpi bei Filmen noch was bringt, kann jeder an Hand folgender Beispiele selbst entscheiden, m.E. liegen hier die Grenzen.

Mikroschrift am unteren Rand des 50-Euro-Scheins

2400 bzw. 1200 dpi



Ausschnitt aus einem Filmscan (Farbnegativfilm)

2400u4800dpi


Nachtrag Oktober 2007:

Negative Kundenrezensionen im Internet zu diesem Scanner sind offenbar auf Unkenntnis der Zusammenhänge zwischen Scan-Auflösung und Ausgabeauflösung einerseits und Vorlagengröße sowie Ausgabegröße andererseits und daraus resultierende Bedienungsfehler zurückzuführen. Hingegen wird die mangelhafte Tiefenschärfe  nur selten erwähnt.

Nachtrag Januar 2008, Farbprofile:

Unter Voreinstellungen/Farbeinstellungen kann man den Ausgabefarbraum vorgeben. In Frage kommt hier sRGB bzw. Adobe98, je nach Gusto. Das gewählte Profil wird jedoch nicht in den Scan eingebettet, so dass das ein eingescanntes Bild in allen Programmen, also auch in farbmanagement-fähigen  (z.B. PS oder XnView - letzteres kann man entsprechend einstellen) jeweils unterschiedliche Farben zeigt.

M.E. patzt hier die Software des LiDE! Offenbar wird einfach unterstellt, das die Rohdaten des Scans genau dem sRGB-Farbraum entsprechen - m.E. ist er aber größer - und wenn der Anwender Adobe98 gewählt hat, wird einfach runtergerechnet. Aus 255-sRGB-Rot wird 219-Adobe98-Rot usw.. Da das Profil aber gar nicht eingebettet wird, erscheinen alle Farben nun weniger gesättigt.



Scanner profilieren

Mittels der Freeware XLProfiler v.1.0 (http://www.aim-dtp.net/aim/calibration/index.htm) kann man ein Profil für diesen Scanner (u.a.) erstellen. Dabei zeigte sich bei mir, dass der Farbraum des Canon CanoScan LiDE 600F bedeutend größer als der meines alten Mustec 1200 EP:

Farbraum Canon
Farbraum Mustek

Farbraum Canon LiDE 600F                                              Farbraum Mustek 1200 EP

Die Farbfehler (Lab-Data-Errors) sind beim Canon LiDE 600F fast um den Faktor 10 kleiner als beim Mustek 1200 EP. Die gute Farbtreue des Scanners (s. oben) mag der Grund dafür sein, dass mein nach dieser Methode selbst erstelltes Profil nur geringfügig andere Ergebnisse liefert als das mitgelieferte Geräteprofil: Beim selbst erstellten kommen die Hauttöne besser, dafür ist die Grauskala aber geringfügig farbstichig .


Vergleich der 3D-Farbräume sRGB und Adobe98 mit dem Farbraum des LiDe600

Solche Vergleiche von 3D-Farbrämen können bei http://www.iccview.de/index.php erstellt werden.

Zum Betrachten benötigt Ihr Browser das VRML-Plugin.

sRGB in LiDe600

Adobe98 in LiDe600

Der bunt dargestellte Farbraum ist der Farbraum des LiDe600, das Gitternetz ist sRGB bzw. Adobe98.

Fazit: Der sRGB-Farbraum wird durch den Scanner weitgehend abgedeckt, der Adobe98-Farbraum weniger gut.

Frage: Welchen Ausgabefarbraum sollte man beim Scanner wählen - eingedenk der Tatsache, dass der LiDe600 das gewählte Profil zwar berücksichtigt, es aber  nicht in den Scan einbettet.

Und hier der Farbraum meines alten Mustek-Scanners (bunt) vs sRGB (Gitter)
Mustek in sRGB


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