Profile für Drucker
oder Farbmanagement von hinten durch die Brust

Ein Drucker, der (mit entsprechender Hardware) profiliert wurde, liefert autentische Farbausdrucke? Na ja, vielleicht...

Eingebettete Farbprofile in Bildern beschreiben die Konvertierung der RGB-Daten in einen definierten Farbraum (CIE Lab oder CIE XYZ).
Farbprofile für Ausgabegeräte (Monitore, Drucker) beschreiben den umgekehrten Weg, nämlich die Konvertierung von CIE Lab bzw. CIE XYZ in den Farbraum des Ausgabegeräts.

Die Farbräume von Druckern sind in der Regel kleiner als die in den Bildern eingebetteten Farbräume. Deshalb werden die Farben der Bilder  in der Regel perceptual in den kleineren Zielfarbraum "gequetscht".  Ziel dabei ist, die Farbverhältnisse für das menschliche Auge anzupassen, wobei sich die Farben selbst jedoch ändern. Druckerprofile z.B. enthalten eine LUT (Tabelle), die die Umsatzung der Lab-Werte in RGB- bzw CMYK-Werte des Druckers beschreibt.

Dass solche LUTs auch grobe Farbverfälschungen verursachen können,  wird unten gezeigt. Dazu benutzte ich ein Druckertestbild in ProPhoto, dessen Farbumfang die Fähigkeiten jedes Druckers weit übersteigt; bei dem es also sehr viele Farben gibt, die in den kleineren Druckerfarbraum gequetscht werden müssen.

Im Internet habe ich bislang noch keinen Hinweise auf entsprechende Fehler in Farbprofilen für Drucker gefunden.

Für diesen Test benutzte ich 
- das selbst mit Spyder3Print erstelltes Profil für meinen Deskjet 970Cxi von HP und
- ein von Epson heruntergeladenen Profil für den EPSON Stylus Photo R800

Deutlich bessere Ergebnisse habe ich für dieses Druckertestbild erhalten
- mit einem von Wolfgang Exler (http://www.exler.de) mit X-Rite i1 Profiler gemachten Profil für den Deskjet 970Cxi, das er freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat und mit
- einem von einem Fotopapierherstellers für den den EPSON Stylus Photo R800 bereitgestellten Profil (allerdings bei einem vermindertem Farbumfang dieses Papiers).

Für die Ergebnisdarstellung der Tests benutzte ich einen Screenshot derSoftproofs, die die entsprechenden Ausdrucke simulieren.

Die Einstellmöglichkeiten für die Benutzung von Farbprofilen in der Bildbearbeitungs-, der Drucker- und der Betriebssystemsoftware sind vielfältig. Da im Endeffekt alle diese Einstellungen beim Ausdruck irgendwie zusammen wirken, sind Überschneidungen und dadurch falsche Farben möglich.

Mit diesem Falschfarbenbild und diesem Falschfarbenprofil (das auch in dem Falschfarbenbild eingebettet ist), kann man ausprobieren, ob und wie das Farbmanagement im Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten (Betriebssystem, Drucker, Bildbearbeitungsprogramm, Browser, ...) auf dem eigenen PC funktioniert.


Druckereinstellungen DeskJet CxiDruckereinstellungen Cute-Writer

Beim Deskjet z.B. kann man nur den Papiertyp wählen,  beim CutePDF Writer nur die Farbverwaltung (dieser druckt in eine PDF-Datei!), bei etlichen Druckern geht jedoch beides, wobei die Bezeichnungen im ICM variieren können (und vermutlich auch die dahinter liegenden Wirkungen).



Hier das Ergebnis der o.a. Tests:
Rendering-Ergebnisse
Monitorbild                                                Softproof mit Spyder3 Druckerprofil         Softproof mit EPSON R800 Druckerprofil

Das zugehörige Testbild in ProPhoto gibt es hier (im Freistellen bin ich noch Anfänger).

Für einen vergleichbarer Test bei Rottönen eignet sich dieses Foto. Voraussetzung ist, dass der Monitor einen größeren Farbraum hat als sRGB und das das Farbmanagement richtig funktioniert.

LUT eines Druckerprofils prüfen.

An Hand dieses Testbilds kann man LUTs auf Fehler testen. Dazu sollte man diesem Bild zunächst den eigenen Arbeitsfarbraum zuweisen und danach einen Softproof machen. Je weniger Banding, Farbsprünge und gleichfarbige Bereiche dieser Proof zeigt und je lebendiger die Farben sind, um so besser ist das Profil (das ja i.a. nur für ein bestimmtes Papier gilt).
LUT eines Deuckers testen

Neben diesem speziellen Fall der Fehler in LUTs von Druckerprofilen gibt es eine Vielzahl von
Ursachen für falsche Farben und Farbstiche.

In solchen Fällen ist es angezeigt, folgendes zu checken:

1. Wie wurde bei der Bilddatei ein Weißabgleich gemacht?
- auf eine Graukarte, die Wolken oder worauf sonst oder automatisch?
2. Enthält die Bilddatei ein eingebettetes Farbprofil*1)?
- wenn ja, welche Software hat es zugeordnet? Wurde es danach verändert?
3. Berücksichtigt die Anzeige-Software (Bildbearbeitung, Browser, ..) eingebettete Farbprofile?
4. Berücksichtigt die Anzeige-Software (Bildbearbeitung, Browser, ..) Profile im Exif-Tags (sRGB/AdobeRGB)?
5 Unterstellt die Anzeige-Software (Bildbearbeitung, Browser, ..) sRGB falls sie keine Angaben zum Profil findet bzw. erkennt?
6. Exisistiert ein Farbprofil für die Ausgabe-Hardware*2) (Monitor, Drucker)?
- wenn ja, wo ist dieses Profil hinterlegt ? Was gilt als Default?
6a. Gibt es eigene Profil-Einstellung in der Drucker-Software?
- wenn ja, sind diese kompatibel mit der Einstellung in der Systemsoftware und korrekt de- bzw. aktiviert?
7. Berücksichtigt die Ausgabe-Software (Bildbearbeitung, Drucker) dieses Hardwareprofil?
- wenn ja: Woher holt sich die Ausgabe-Software diese Info?

siehe auch colspace.htm#prophoto

*1) Eingebettete Farbprofile beschreiben die Konvertierung der RGB-Daten in einen definierten Farbraum (CIE Lab (mittels LUT) oder CIE XYZ(mittels Marrix)).
*2) Farbprofile für Ausgabegeräte (Monitore, Drucker) beschreiben die Konvertierung aus einen definierten Farbraum (CIE Lab oder CIE XYZ) in den Farbraum des Ausgabegeräts. Diese Beschreibungen können durchaus auch fehlerhaft sein. Siehe o.a. Beispiel.