Vorbemerkungen:
Sofern Bilder und Fotos hier eingebettete Farbprofile haben,  ist dabei die Originalgröße angegeben, z.B.: richtige Größe: 329KB . Der Grund ist , dass ich feststellen musste, dass zumindest bei meinem "web'n'walk at home"-Internetanschluss diese Farbprofile zeitweise nicht übertragen werden.
Die Begriffe Profilieren und  Kalibrieren benutze ich hier entsprechend http://foto.beitinger.de/kalibrierung/kalibrierung_profilierung_unterschied.html

Für ganz Eilige: Gleich zum Fazit!

richtige Größe: 16KB
(Wenn die Dateigröße stimmt und die Farben trotzdem falsch sind, dann berücksichtigt Dein Browser das eingebettete Farbprofil nicht.)

Gut zu wissen:
Eingebettete Farbprofile beschreiben die Konvertierung der RGB-Daten in einen definierten Farbraum (CIE Lab oder CIE XYZ). Farbprofile für Ausgabegeräte (Monitore, Drucker) beschreiben den umgekehrten Weg, nämlich die Konvertierung von CIE Lab bzw. CIE XYZ in den Farbraum des Ausgabegeräts.

Drucker profilieren mit Spyder3Print
oder Farbmanagement von hinten durch die Brust

Hinweise:
- Laserdrucker sind für Fotodruck weniger geignet, derzeit bringen nur Tintendrucker gute Ergebnisse
- Die folgende Beschreibung ist nur für voll farbmanagement-fähige Programme wie z.B. Photoshop relevant
- Wer nur im Farbraum sRGB arbeitet, wird vermutlich nicht mit den hier beschriebenen Dingen konfrontiert.


Dieses voll gesättigte Farbenspektrum im Farbraum ProPhoto ist eine harte Prüfung für die Qualität von Druckerprofilen:

Druckertest
richtige Größe: 16KB
Ausdrucke dieses Spektrums sollten kontinuierliche Farbübergänge zeigen und frei von Banding (Beispiele ganz unten) sein.

Mit diesem - aus dem CIE-Lab-Farbraum nach sRGB umgewandelten Bild dürfte es keine Probleme geben:

Druckertest    und hier (ba-2to.tif, richtige Größe: 28KB) gibt es das Original in CIE-Lab, dessen Ausdruck genau so aussehen sollte!

Beide Testbilder (spektpp.jpg und das herunterladbare ba-2to.tif) enthalten nur bzw. etliche Farben, die außerhalb des Druckerfarbraums liegen. Entsprechend dem Rendering-Intent der zugehörigen LUT (Look Up Table) aus dem Druckerprofil werden diese Farben in den Farbraum des Druckers umgerechnet. Das Ergebnis dieser Umrechnung ist bereits im Soft-Proof sichtbar.

Mein Arbeitsfarbraum ist ProPhoto und ich bevorzuge den Rendering Intent "relativ colormetrisch". Mit dieser Einstellung und einem gekauften Druckerprofil erhalte ich gute Druckergebnisse. Im Gegensatz dazu zeigt das von mir mit Spyder3Print selbst erzeugte Druckerprofil im Soft-Proof und auch im realen Ausdruck an Stelle des Gelb ein schmutziges Gelbbraun.


Druckerprofil
                                                                                                              
Links sieht man im Prinzip:
   1. Die Schuhsohle (Farbraum des menschlichen Auges)
   2. Die Farben des Testbilds spektpp.jpg (~Rand des großen Dreiecks)
   3. Den Farbraum des selbst erzeugten Druckerprofils (kleines Dreieck)

 Hervorgehoben ist das, was ich mal Gelbnase nennen will: Das Gelb des
 Testbildes - also der gelbste Punkt-, wird nicht auf das reine
 Gelb der Nasenwurzel sondern auf des Graugelb der Nasenspitze  gerendert, falls man den üblichen Rendering Intent "Perzeptiv"  verwendet.

 Wenn man allerdings als Rendering Intent "Sättigung" verwendet, tritt
 diese Farbverschiebung nicht mehr auf, der Drucker druckt dann sein
 reines Gelb. Die Ausdrucke sind jedoch mit dieser Einstellung etwas  übersättigt - wem's denn gefällt. Natürlich kann man die Sättigung im  Profil vermindern, der Königsweg zu einem guten Profil ist das aber nicht.
 In jedem Fall sollte man zur Profilierung das Ziel mit zusätzlicher Grausla  wählen.
 


Noch deutlicher wird dieser Unterschiede des mit Spyder3Print erstellten gegenüber dem gekauften Profil bei Betrachtung bestimmter LUT-Ausgabewerte:

LUT vs LUT

Hier sind die Werte der drei Ausgabefarben (R,G und B) der Konvertierung der CIE Lab-Werte in den Farbraum des Ausgabegeräts beider LUT für "relativ colormetrisch" dargestellt, links das mit Spyder3Print selbst erzeugte und rechts das gekaufte Profil. Die Eingabewerte für beide Darstellungen sind: L=100, a=0 und b = -127 bis +127.
Dieser Bereich entspricht dem oberen Teil des Testbilds ba-2to.tif: Das helle Blau bei b =-127 wird immer heller und schließlich bei b = 0 zu weis. Ab da bis b=+127 wird das Weis dann zu immer satterem Gelb - aber so funktioniert das nur bei dem gekauften Profil (Bild2*) und nicht bei dem mit Spyder3Print selbst erzeugten (Bild1*): Dort stimmt das so nur von b=0 bis etwa b=100 (einmal abgesehnen vom dem zu hohem Grünanteil im Bereich b<0).
Da der Wert b im sRGB-Farbraum nur nur von -107 bis +93 reicht, ist der Abfall von Rot und Grün im Bereich b>100 beim Ausdrucken von sRGB-Bildern mit dem mit Spyder3-Profil erstellten Profil nicht erkennbar.

Dies    ist (im Prinzip) der Teil der Testbilds ba-2to.tif, der in den sRGB-Farbraum fällt: Die Farben der ausgegrauten Bereiche gibt es in sRGB gar nicht.


Rendern
Bei diesem 3D-Abbild sieht man, wie das mit Spyder3Print erzeugte Profil die Farben einer Farbtafel rendert, bei der einige Farbfelder knapp außerhalb des Druckerfarbraums (der bunte "Klumpen") liegen. Die Länge der Striche ("Igelstacheln") zeigt, wie weit und wohin einzelne, außerhalb des Farbraums liegenden Farben gerendert werden. Das Gelb dieser Farbtafel (der gelbe Pfeil deutet drauf) wird besonders weit an den mit der weißen Pfeilspitze gekennzeichneten Ort verschoben anstatt auf die weit näher liegende gelbe "Nasenspitze"; ein Fehler in der LUT des für meinen Drucker erzeugten Profils!


Rendern eines ProPhoto-Spektrums    Rendern eines ProPhoto-Bildes
Links sieht man, wie das mit Spyder3Print erzeugte Profil weit außerhalb des Druckerfarbraums liegende Farben rendert. Es handelt sich hierbei um das eingangs gezeigte Farbspektrums in ProPhoto! Gelb wird besonders weit an der gelben "Nasenspitze" vorbei gerendert.
Rechts sieht man - in anderer Perspektive - ein ebenfalls mit Spyder3Print erzeugte Profil für einen anderen Drucker, das mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Das weit außerhalb liegende Gelb wird dadeutlich besser auf die gelbe Ecke des Profils gerendert; der Farbraum dieses Druckers zeigt keine "Gelbnase".



spyder3-vs-gekauftes
Hier ist das Renderns des eingangs gezeigten Spektrums mit dem mit Spyder3Print erstellten (links) und dem gekauften Profil (rechts) für percetiv dargestellt. Deutlich ist der Unterschied im Bereich um Gelb erkennbar - obwohl das gekaufte Profil ja auch die "Gelbnase" erkannt hat.


Fazit:
Bei den mit Spder3Print erstellten Druckerprofilen werden große Farbräume z.T. nicht richtig gerendert. Um mit den
Spder3Print-Druckerprofilen brauchbare Druckergebnisse zu erzielen, müssen größere Farbräume (ProPhoto, AdobeRGB) daher vor dem Ausdruck zunächst nach sRGB konvertriert werden.

Hierfür ein Beispiel an Hand eines Color-Testbildes:
                                            gesättigte Farbskala RGB, ohne Farbprofil                            und hier nach Zuordnung von sRGB

                                                      und darunter jeweils Softproof der Ausdrucke mit meinem Drucker (Rendering Intent "Sättigung")

Anmerkung  zu diesen Softproofs:
alte und neue HP-Tinte

Das sind die Tintenfarben meines Druckers, oben die neue und unten die alte Original-HP-Druckerpatrone. Die Faebabweichung Delta E bei Magente ist ca.16 und erfordert eine Neukalibrierung des Druckers! Es ist klar, dass man mit solchen Tinten nie die satten Farben von Monitoren zusammenspritzen kann - und wenn man noch so viel an den Druckereinstellungen rummacht! Genau deshalb unterscheiden sich die Farben der Ausdrucke mit diesen Tinten gravierend von der Darstellung auf dem Monitor. Als ich noch nichts vom Farbmanagement wusste, habe ich versucht, die Monitorfarben dem Ausdruck anzupassen - heute halte ich das für einen Irrweg:
Falls der Monitorfarbraum größer ist als der Druckerfarbraum (s. nachfolgende Abb.) kann man mit einer Verminderung der Sättigung bei einigen Farben eine gewisse Annäherung an den Ausdruck erreichen, bei Gelb jedoch sicher nicht! Falls andererseits der Monitorfarbraum (z.B. bei einem Laptop) kleiner ist als der Druckerfarbraum., geht da gar nichts.

Der sRGB-Farbraum (Gitter) umfasst den Farbraum meines Druckers fast vollständig:  



Lediglich bei Gelb kann der Drucker gelber - aber gerade da patzt das mit Spyder3Print erstellte Profil.


Hier sieht man in zweidimensionaler Darstellung die Lab-Farbräume meines neuen (P221W - der größte), und meines alten (AMW - in etwa sRGB) Monitors sowie den meines Druckers (der kleinste).




Alternativen zu Spyder3Print

In sRGB arbeiten, die vom Druckerhersteller empfohlenen Tinten*) und Papiere verwenden und ggf. Quelldateien aus anderen Farbräumen vor dem Druck nach sRGB wandeln  - oder alternativ gleich dem Drucker den sRGB-Farbraum zuordnen. Bei meinem Drucker HP-Descjet 970Cxi und dem Sihl-Inkjet-Fotopapier hochglänzend 280 habe ich damit gleich gute Ergebnisse erzielt wie - trotz aller Mühe - mit dem mit Spyder3Print erstellten Profil. Beidemal wird Magenta zu rötlich gedruckt.

Wenn man sich auf einen Drucker, ein (oder mehrere) Papiere und eine Tinte*) festlegt, ist es eine gute Möglichkeit, sich das/die zugehörigen Druckerprofile von einem professionellen Anbieter machen zu lassen, so etwas kostet rund 30,- Euro/Profil. Vorsichtbei Nachfülltinten; da sollte man sich vorher vergewissern, dass der Übergang von Grau nach Schwarz tatsächlich kontinuierlich ist und auch sicher sein, dass immer die gleichen Tinten geliefert werden.

Mit meinem gekauften Profil erziele ich die besten Ergebnisse - auch nach Umstieg auf  anderes Fotopapier.
Vermutlich wurden diese Profile mit dem X-Rite i1-Profiler erstellt.

Mit VueScan Professional (http://www.hamrick.com/) kann man mit einem guten Scanner**) und wenig Aufwand selber brauchbare Druckerprofile erzeugen. Man benötigt dazu allerdings ein IT8-Target und die zugehörige Wertetabelle. Es sind kleine Matrix-Profile (enthalten also keine LUT und sind theoretisch ungenauer), kommen aber auch mit größeren Farbräumen gut klar.
*) Nach Kauf einer neuen Tintenpatrone für meinen Drucker, bei der Magenta gegenüber der alten eine Farabweichung von Delta E = 16 hat, kann ich diese Empfehlung nicht mehr aufrecht erhalten.
**) Mein alter Mustek, der nicht einmal sRGB voll abdeckt, ist dafür kaum geeignet.

Rendern bei VueScan-Druckerprofil
Dieses 3D-Abbild zeigt, wie ein mit" VueScan Professional" erzeugte Druckerprofil die Farben der Farbtafel, bei der einige Farbfelder knapp außerhalb des Druckerfarbraums liegen, rendert. Man beachte, dass hier auch Blau auf Grund des einfacheren Profilaufbaus gerendert wird.

Ein interessantes Color Space Conversion Test Image In ProPhoto RGB findet man hier:
http://static.photo.net/attachments/bboard/00G/00G6hA-29510484.jpg
richtige Größe: 32KB


Nachtrag Juli 2011

Auf der Suche nach einem Drucker mit größerem Farbraum als mein HP Desklet 970Cxi stieß ich auf den EPSON Stylus Photo R800, für den auf einer Seite des Herstellers ein Druckerprofil downloadbar ist. Ein Softproof des eingangs gezeigten Spektrums mit diesem Profil zeigt einen fast schwarzen Abschnitt im blauen und einen fast weißen Abschnitt im gelben Bereich (siehe unter Ergänzung September 2011, Spektrum in der Mitte). Das Rendern dieses ProPhoto-Spektrums in den Druckerfarbraum mit diesem Profil ist also ebenfalls unbefriedigend; für den gelben Bereich sieht das so aus:

Rendern beim EPSON Stylus Photo R800

Links ist gezeigt, wie das ProPhoto-Gelb mit dem von Spyder3 erstellten Profil beim meinem Deskjet und rechts, wie es beim Stylus mit dem Herstellerprofil gerendert wird . Der Rendering Intent ist jeweils relativ colormetrisch: Beim Spyderprofil wird aus dem satten Gelb ein schmutziges Gelb (links) und beim Epsonprofil ein zu helles Gelb (rechts), fast ein Weiß. Auf der Schuhsohle in der rechten Abbildungen ist der größere Farbraum des 8-Farbendruckers Stylus erkennbar.
Daher sollten m.E. auch beim Stylus größere Farbräume (ProPhoto, AdobeRGB) vor dem Ausdruck zunächst nach sRGB konvertriert werden.

Ergänzung September 2011

Dass solche Fehler in den LUT von Druckerprofilen nicht sein müssen, zeigt folgender Vergleich an Hand eines Bildschirmfotos:
Druckerprofile und Rendern eines ProPhoto-Spektrums
Oben das Spektrum (welches im Original dem eingangs gezeigten ProPhoto-Spektrum entspricht).
In der Mitte sieht man den Softproof  mit dem von Epson heruntergeladenen Profil für diesen Drucker, der starke Konvertierungsartefakte (Banding) aufweist.
Unten ist ein Softproof mit einem von einem Fotopapierherstellers für diesen Drucker bereitgestellten Profil dargestellt, der deutlich geringeres Banding zeigt -
ABER die mit diesem Papier erreichbare Farbsättigung ist sichtbar geringer, der Farbumfang dieses Papiers ist also kleiner.

Wieder ist anzumerken, dass Drucker - mit Ausnahme von Gelb - die Farbsättigungt von Monitoren nicht erreichen.

Ein interessantes Color Space Conversion Test Image in ProPhoto RGB, mit dem man ebenfalls die bei Farbraumkonvertierungen entstehende Artefakte gut sehen kann, gibt es bei
http://static.photo.net/attachments/bboard/00G/00G6hA-29510484.jpg
richtige Größe: 32KB
Da Monitore den ProPhoto-Farbraum nicht abdecken,  können  Konvertierungsartefakte - je nach Güte des Monitorprofils - bereits auf dem Monitor sichtbar sein.
Wie vorstehender Softproof-Vergleich zeigt, können offenbar sogar vom Druckerhersteller selbst bereitgestellte Druckprofile unbefriedeigende Ergebnisse liefern.
Bei der Konvertierung von sRGB-Fotos sind solche Konvertierungsartefakte jedoch weniger bemerkbar.


Happy End 2011 (?)

Anlässlich seiner Suche nach Versuchskaninchen in der NG de.rec.fotografie hat Wolfgang Exler (http://www.exler.de) freundlicherweise mit X-Rite i1 Profiler ein Druckerprofil für meinen 970Cxi erstellt, das auch beim Rendering Intent perceptual beste(!) Druckergebnisse liefert (und also mit der merkwürdigen "Gelbnase" bzw. dem schwächelnden Bereich um Orange meines Druckers keine Schwierigkeiten hat).  Selbst die von mir oben vorgeschlagene vorherige Konvertierung größerer Farbräume nach sRGB vor dem Ausdruck mit dem mit Spyder3 erstellten Profil kommt da nicht ran!

Ein Vergleich der mit Spyder3Print und mit X-Rite i1 Profiler erstellten Druckerfarbräume zeigt gute Übereinstimmung; der Profilierungsfehler liegt also - wie bereits oben gezeigt - in der LUT des für meinen Drucker mit Spyder3Print erzeugten Profils!

Damit ist mein Anfangsverdacht, dass das Spectrocolorimeter des Spyder3Print fehlerhaft arbeitet, ausgeräumt. Deshalb habe ich nun 24 Farbfelder meines Q-60R1 Color-Input-Targets von Kodak, deren Lab-Werte bekannt sind,  mit diesem Gerät nachgemessen. Die Farbabweichungen DeltaE(CIELAB-1974) betragen 1...5 und liegen im Mittel bei 3, was eine gerade eben wahrnehmbare Farbabweichung bedeutet.

Nun bin ich also trauriger Besitzer einer Drucker-Profilirungs-Software, die zumindest für meinen Drucker nur unzureichende Profile generiert.


Nachtrag März 2013

Meine Messung der Abweichungen des Spectrocolorimeter mit Imatest gegenüber den Tabellenwerten des x-rite colorcheckers ergab:
Spyder3Print, Messwerte vs Referenz
Inneres Quadrat = Referenz, außen = Messwerte mit Spyder3PRINT Spectrocolorimeter
DeltaE*94:
Mittel = 1,89
Sigma = 2,08

Trotz guter Genauigkeit des Spectrocolorimeters ist Datacolor nicht fähig, für meinen Drucker mit seiner "Gelbnase" und seiner Schwäche bei Orange Druckerprofille zu generieren, die auch bei Bildern mit Farbräumen >sRGB farbverbindliche Ergebnisse liefern. Meine beiden anderen Profile für diesen Drucker, ein gekauftes und ein von http://icc-profile.fotoclub-stuttgart.net  freundlicherweise gemachtes, sind da besser.

*********************************************************************

Nun habe ich doch etwas gefunden, wobei das Spectrocolorimeter des Spyder3Print fehlerhaft arbeitet. Ich habe das Gelb eines richtigen Hornveilchens gemessen, um die Farbunterschiede des Fotos und des Scans dieses Veilchens gegenüber dem Original zu sehen.  Das  Spectrocolorimeter lieferte L=82, a=9 und b=-121, also ein sattes Türkis an Stelle von Gelb. Ursache ist das falsche Vorzeichen des b-Wertes:

         Villa

Somit also ein weiterer Fehler in der Datacolor-SW (genau wie der eingangs beschriebene Fehler in der LUT des für meinen Drucker erzeugten Profils).

Anmerkung: Dieser Fehler spielt in des Praxis jedoch keine Rolle, denn das Gelb des Hornfeilchens kann  kein Drucker (oder Monitor) authentisch wiedergeben - genau so wenig wie das Ultraviolett, das man als Schwarz in der Blütenmitte sieht; Bienen jedoch mögen diese Farben sehr.

Hier nun die Beschreibung der
Prüfung der Farbwiedergabe eines Druckers
In diesem Zusammenhang habe ich mir bei http://www.rags-int-inc.com/PhotoTechStuff/MacbethTarget/ das Target mit den Angaben der zugehörigen Lab-Werte geholt. Es enthält im Wesentlichen nur drei Farben (Gelb und beide Orange), die mein Drucker nicht ganz  richtig (Delta E > 6) darstellen kann. Zudem benötigt man ein Spectrocolorimeter, mit dem man die Farben des Ausdrucks in Lab-Werten messen kann;  bei mir hier der Sensor des Spyder3Print.

Damit tatsächlich die richtigen Farben des Targets auf  dem Ausdruck erscheinen und nicht die perceptual in den Druckerfarbraum gerenderten, muss das Target vorab absolut colormetrisch (Engine: Microsoft ICM)*) in den Farbraum des Druckers konvertiert werden!

Hier das Ergebnis meiner Messungen des Ausdrucks des DeskJet 970Cxi
DeltaE des Deskjet 970Cxi
Dass die Farben hier anders aussehen als z.B. oben bei "Nachtrag März 2013" kommt daher, dass Excel kein Farbmanagement kennt.

Anmerkungen zu obigen DeltaE
Ich benutzte für die Berechnung die originäre CIELAB-Formel von 1976, d.h. die heute üblichen Korrekturfaktoren (u.a. DeltaE*94), die bei gesättigteren Farben kleinere Werte ergeben, blieben unberücksichtigt
Das gilt auch für die Grauwerte. Im Gegensatz dazu entspricht die heute üblichen Angabe der Neutralität der Grauachse dem DeltaE ohne Helligkeitsanteil. Auch dadurch ergäben sich  kleinere Werte.

*) Im Gegensatz zu PS7 patzt hier die "ADOBE-Engine" bei CS3 und verändert auch die Farbwerte innerhalb des Druckerfarbraums! Vermutlich wird da nicht absolut sondern neuerdings  relativ colormetrisch gerendert.


Ergänzungen, Korrekturen und Hinweise 08/2015

Nun habe ich mich erneut mit der Profilierung meines Drucker HP Deskjet 970Cxi befasst und auch die neue Version SpyderPRINT 4.2.3 installiert. Kurz gesagt: Ich bin von der Qualität der damit erstellten Farbprofile voll überzeugt. Der o.a. Fehler in der LUT des erstellten Profils ist jedoch nicht behoben, so dass man als Rendering Intent "Sättigung" wählen MUSS, falls man nicht ausschließlich in sRGB arbeiten will. Jedoch selbst dann sind bei Magenta- und Rottönen Farbabweichungen in den Ausdrucken zu erkennen.

Vermutlich habe ich dazugelernt. Viel Aufmerksamkeit erfordern die Druckeroptionen, die z.T. von verschiedenen Programmen ohne Ankündigung verändert werden und selbst die Einstellungen in den erweiterten Optionen meines Druckers (z.B. die Druckerfeatures) sind nicht alle eindeutig, so werden bei der Wahl von "ICM deaktiviert"  ebenfalls die Druckerfeatures deaktiviert - obwohl sie im Dialog  veränderbar bleiben. Was da passiert oder auch nicht kann man mit "Prüfung der Trägermaterialeinstellung" ausprobieren. Dabei prüft man dann auch, ob man die richtige Seite des Papiers erwischt hat.

Für die Erstellung der Messungsdatei muss die Papierart ausgewählt sein und "ICM deaktiviert" werden.
ICM ist hier das interne Colormanagement des Druckers.

Unter SpyderProof-Ansicht/"Erweiterte Bearbeitung" mussten z.T. die Lab-Werte für Weiß und Schwarz aus mir unerfindlichen Gründen geändert werden. Ich wählte in diesn Fällen für ws L=95 und für sw L=5 unter Beibehaltung der a- und b-Werte. Auch hier handelt es sich möglicherweise um einen Fehler, denn gemäß der Beschreibung  in der Spyder-Hilfe sollte das lediglich Einfluss auf die Darstellung am Monitor haben, aber das trifft nach meiner Beobachtung nicht zu. Vermutlich definiert der ab-Wert bei ws die Papierfarbe für den Soft-Proof. Wenn man bei Weiß die vorgeschlagenen ab-Werte unverändert beläßt, wird beim Ausdruck von Grau die Papiergrundfarbe (z.B. ein blauer "Aufheller") kompensiert, so dass die Ausdrucke echtes Grau zeigen. Möglicherweise gefallen aber Ausdrucke besser, wenn man a und b auf "0"  setzt.

Die anderen Einstellmöglichkeiten unter
"Erweiterte Bearbeitung" machen keinerlei Sinn, denn wenn man richtig gearbeitet hat*), ist das Profil weitgehend fehlerfrei! Zur Korrektur ggf. noch vorhandener Profilfehler taugen diese Einstellmöglichkeiten überhaupt nicht! Lediglich die Helligkeitskorrektur macht Sinn, falls die Ausdrucke zu dunkel oder zu hell erscheinen.
*) Hierbei empfiehlt es sich dringend, die Farbfelder sorgfältig einzeln zu messen!

Für die Ausdrucke der Farbtafel/n muss selbstverständlich "ICM wird vom Hostsystem bearbeitet" gewählt sein.

Nach Anpassung der Helligkeit 
unter "Erweiterte Bearbeitung" ergab die Messung der Farbabweichungen der Ausdrucke mit "Imatest" ein DeltaC*94 =2,61 (mean) bei einer Sättigung von 100,7%. Somit eine ausgezeichnete Farbtreue wenn man bedenkt, dass die Messung an einem Scan des Ausdrucks erfolgte, also der Farbfehler des Scanners da noch mit drin ist. Dabei bitte nicht vergessen, dass alle Farben der verwendete Farbtafel (GretagMacbeth- bzw. x-Rite-colorchecker) im Farbraum sRGB liegen und dass es durchaus denkbar ist, dass Programmierer von Profilierungssoftware letztere genau auf solche Farbtafeln "optimieren".

Und hier ein Testbild in ProPhoto, mit dem man im Softproof  die Wirkung der verschiedenen Rendering-Intents ausprobieren kann.

Der Ausdruck dieses Bildes (in ProPhoto) zeigt bei Magenta und Rot deutliche Farbveränderungen, die m.E. kaum noch akzeptabel sind. Da offenbart sich eine weitere Schwäche der Spyder-Profile - und zwar selbst dann, wenn man ausschließlich in sRGB arbeitet. Möglich, dass diese Farbabweichungen durch die eingangs erwähnte "Gelbnase" meines uralten HP-Druckers Cxi 960 von1999 bedingt sind und bei neueren Druckern weniger krass ausfallen.

Kritische Farben bei Spyder-Profilen
Dies ist meine kleine Sammlung kritischer Farben für mit Spyder erstelle Profile, die deren Schwächen offenlegt.
Aber auch andere Profile - z.B. solche vom Papierhersteller - haben mit diesen Farben z.T. Schwierigkeiten.
Korrekturen sind jedoch z.B. in Adobe Photoshop mit "Adjustments/Selektive Color" möglich. Das (der Drucker bringt's ja) lässt vermuten, dass hier ein weiterer Fehler in der LUT vorliegt. Dafür spricht auch der o.g. Weg über die Konvertierung größerer Farbräume nach RGB vor dem Drucken.
Mit dem X-Rite i1-Profiler erstellte Profile sind da besser.


 


Zurück zur Homepage