X-Rite Colorchecker Passport
Fakten und Alternativen

Nach Erstellung eines Kameraprofils und automatisch erfolgender Einbindung in Lightroom 3 haben alle Fotos überzeugende und schönere Farben! Wenn man jedoch die Farbabweichungen gegenüber den von X-Rite downloadbaren Tabellenwerten des Targets betrachtet, zeigen sich deutliche Farbunterschiede:

X-Rite Colorchecker Passport

Hier beispielhaft jeweils außen die Felder 13, 14 und 15 des Charts und  jeweils innen die Farben der abfotografierten Felder.

Farbunterschiede werden herhömmlich als Delta E  berechnet. Delta E-Werte ab 5 gelten dabei als andere Farbe.
Eine Verminderung  der Sättigung des gesamten Fotos um 23% zeigt deutlich geringere Farbabweichungen:

Delta E visuell ausgesuchter Felder: Foto vs Tabellenwert               
Feld   Delta E  mit Sat -23%       
13       21          6    deutliche Verbesserung der Farbwiedergabe  
15       18          5    deutliche Verbesserung der Farbwiedergabe  
2         7          9    leichte Verschlechterung der Farbwiedergabe 
24        7          7    Schwarz bleibt gleich   

Die Farben des Charts liegen alle im sRGB-Farbraum (gelb und cyan direkt am Rand), die entsprechenden Farben des mit dem erstellten Profil gemachten Fotos aber zum Teil auf Grund der höheren Sättigung außerhalb. Je nach Rendering-Intent kann das dazu führen, dass diese außerhalb liegenden Farben keine Differenzierung mehr aufweisen.

An Stelle der x-Rite Software kann man für die Erstellung des Kameraprofils die Adobe-Freeware DNG Profile Editor.exe benutzen, die deutlich farbtreuere Ergebnisse liefert.

Zur Not ;-) kann man sich aus den von X-Rite downloadbaren Lab-Tabellenwerten des Targets ein eigenes Target machen oder auch ein entsprechendes fertige im Internet suchen und mit einem profiliertenDrucker ausdrucken; alternativ dürfte auch ein unprofilierter Ausdruck mit der empfohlenen Druckertinte und einem empfohlenen Glossy-Druckerpapier ausreichen. Vor dem Ausdruck muss das Target dazu absolut colorimetrisch (Engine Microsoft ICM) in den Druckerfarbraum (alternativ in den sRGB-Farbraum) konvertiert werden. Mit dem Foto dieses Ausdrucks kann man dann mittels der Adobe-Freeware DNG Profile Editor.exe das Kameraprofil erstellen.

Und hier nun mein Ergebnis dieser "Notmaßnahme":
Kameraprofil mit DGN Profile Editor
Deutlich ist auch hierbei die höhere Sättigung des Fotos erkennbar. Auch interessant:
Das weiße Feld enthält einige gelbe Tintenspritzer und wirkt dadurch heller, als das
(bläulich) aufgehellte Fotopapier.

Die Einbindung der x-Rite Kameraprofile in Lightroom liefert also deutlich übersättigte Farben. Das Ziel der Hersteller des X-Rite-Passports ist demnach nicht eine präzise (accurat) sondern eine erfreuliche (pleasing) Farbwiedergabe. Die meisten Menschen bevorzugen tiefblauem Himmel, saftig grüne Blätter und warme, leicht gesättigt Hauttöne.


Tipp:
Ähnliche "Farbverschönerungen" kann man in LR auch ohne o.a. Profilerstellung erreichen, wenn man Dynamik bzw. Lebendigkeit erhöht. Dies scheint so zu funktionieren, dass die Farben (außer den Gesichtsfarben)  in ihrer Sättigung unterschiedlich angehoben werden
Wenn man mit den gesättigteren Farben, die das mit x-Rite erstellte Kameraprofil liefert, unzufrieden ist und statt dessen mehr Farbtreue bevorzugt, kann man mit der kostenlosen Testversion
http://www.imatest.com/docs/multicharts/ die Farbabweichungen des Fotos gegenüber dem Target anschauen und ggf. ein Kameraprofil in Lightroom finden, dass farbtreuer arbeitet. Bei meiner Canon 1100D ist dies das Adobe-Standardprofil, siehe folgenden Vergleich der Farbabweichungen:

Hier die Farbabweichungen des mit x-Rite erstellten Profils                              Hier die (kleineren) Abweichungen des Adobe-Standardprofils
Delta E von Kameraprofilen

Man beachte die unterschiedliche Skalierung der Delta E Achse!
Bei Farbabweichungen Delta E > 5 (rote Linie) spricht man von einer anderen Farbe. Farbabweichungen Delta E < 10 gelten als noch akzeptabel.

Deutlich farbtreuere Kameraprofile als mit der Passport-SW erhält man, wenn man das Profil mit der Adobe-Freeware "DNG-Profile-Editor" erstellt. Zudem sind da manuell noch weitere kleinere Profilkorrekturen möglich:

nit DNG-Profile-Editor erstelltes Kameraprofil


Anmerkungen zum Weißabgleich bei der Profilerstellung mit Lightroom

Die Profilierungs-Softwaren analysieren das Bild und führen Weißabgleich und Tonanpassung automatisch durch. Vorausgehende Bildbearbeitungen werden ignoriert; es werden unmittelbar die Rohdaten des Fotosensors verwendet. Wichtig dabei ist eine korrekte Belichtung!

In der nachfolgenden Bildbearbeitung (also nach Anwendung des erstellten Profils) sind wärmere bzw. kühlere Farben durch Weißabgleich auf die bläulich oder rötlich getönten speziellen Farbfelder des X-Rite Colorchecker Passports erreichbar. Wer einmal einen Friedhof im roten Licht der untergehenden Sonne fotografiert hat, weiß, dass sowas nicht bei allen Motiven zu 100% gelingen kann.